25 Jahre Hilfsbereitschaft – ein Fest der engagierten Bürgergesellschaft

Auditorium

Gut ge­launt tra­fen sich ges­tern, am ers­ten Tag der 3. ber­­li­­ner-en­­ga­ge­­ment-wo­che, rund 200 Gäs­te aus frü­he­ren und heu­ti­gen Ta­gen der Lan­des­frei­wil­li­gen­a­gen­tur Ber­lin im Ro­ten Rat­haus, um das 25-jäh­ri­ge Be­ste­hen des Ver­eins Die Hilfs­bereitschaft e.V. und des Treff­punkts Hilfs­be­reit­schaft zu fei­ern.

Martin Beck

Schon vor dem Fest­saal bil­de­te sich eine lan­ge Schlan­ge von Gra­tu­lan­tin­nen und Gra­tu­lan­ten aus Ge­sell­schaft, Un­ter­neh­men und Po­li­tik, die bun­te Sträu­ße, Ge­schen­ke und viel­fäl­ti­ge Glück­wün­sche für Ca­ro­la Schaaf-De­­richs und ihr Team Timofey Sattarov mit dem Akkordeon & Francisco Hidalgomit­ge­bracht hat­ten.

Ti­m­ofey Satta­rov mit dem Ak­kor­de­on und Fran­cis­co Hi­dal­go am Kon­tra­bass vom Trio Lac­ca­sax (La­ka­sax) setz­ten dann den be­geis­ternd fu­rio­sen mu­si­ka­li­schen Auf­takt zur Ju­bi­lä­ums­fei­er.

Hel­ga Metz­ner und Anke Otto, die bei­den Vor­sit­zen­den des Trä­ger­ver­eins Die Hilfs­be­reit­schaft, be­grüß­ten die Gäs­te und lenk­ten in ih­rer Be­standsaufnahme der ge­setz­ten Zie­le den Blick be­son­ders auf die Be­deu­tung von Bür­ger­be­tei­li­gung und le­ben­di­ger De­mo­kra­tie­ent­wick­lung be­reits in Kind­heit und Ju­gend.

Ber­lins Be­auf­trag­te für Bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment, Staats­se­kre­tä­rin Hel­la Dun­ger-Lö­per, über­mit­tel­te als Gast­ge­be­rin die bes­ten Glück­wünsche des Re­gie­ren­den Bür­ger­meis­ters. Sie pries die Er­run­gen­schaf­ten des Treff­punkts Hilfs­be­reit­schaft, vor al­lem die Ent­ste­hung des “ak­tiv in Ber­lin” Lan­des­netz­werks Bür­ger­en­ga­ge­ment und der Run­den Ti­sche zur För­de­rung des Frei­wil­li­gen En­ga­ge­ments in Ber­lin.

Dirk Gerst­le, Staats­se­kre­tär für So­zia­les in der Se­nats­ver­wal­tung für Ge­sund­heit und So­zia­les, un­ter­strich die fach­li­che Ent­wick­lung der Lan­des­frei­wil­li­genagen­tur und ihre weit über Ber­lin hin­aus ge­hen­den Ent­wick­lungs­im­pul­se für die­sen neu­en Ein­rich­tungs­ty­pus. Er ver­sprach, dass auch nach voll­ende­tem 25.sten Le­bens­jahr das für wei­teres er­folg­rei­ches Ge­dei­hen not­we­ni­ge „Kin­der­geld“ aus der Sen­ats­ver­wal­tung für So­zia­les flie­ßen wer­de.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Diskussionsrunde

In der Dis­kus­si­ons­run­de for­der­te Mo­de­ra­tor Gerd Ap­pen­zel­ler, Her­aus­ge­ber des Ta­ges­spie­gels, dazu auf, hier nicht nach dem Mun­de zu re­den, viel­mehr kri­tisch zu be­leuch­ten, wie es sei­ner­zeit um den Start der Hilfs­be­reit­schaft vor 25 Jah­ren be­stellt ge­we­sen war: kein Selbst­läu­fer, viel­mehr hart er­run­ge­nes Pro­fil ei­nes neu­en Ty­pus von Ein­rich­tung in der Land­schaft der Wohl­fahrts­ver­bän­de.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Fink

Ulf Fink, da­ma­li­ger Se­na­tor und In­itia­tor des Treff­punkts, er­in­ner­te dar­an, dass die So­zi­al­po­li­tik An­fang der sech­zi­ger Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts mit dem Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz (BSHG) erst­mals ei­nen Rechts­an­spruch auf das Füh­ren ei­nes men­schen­würdigen Le­bens be­grün­det hat­te, eine Er­run­gen­schaft, die bis heu­te in vie­len Staa­ten nicht ge­ge­ben ist: “Auf­ga­be der So­zi­al­hil­fe ist es, den Leis­tungs­be­rech­tig­ten die Füh­rung ei­nes Le­bens zu er­mög­li­chen, das der Wür­de des Men­schen ent­spricht.” (SGB XII, § 1, Satz 1)

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Appenzeller & Fink & Lang

Die­se für Deutsch­land grund­le­gen­de Klä­rung habe dann in Ber­lin nach der Ein­füh­rung der So­zi­al­sta­tio­nen den Blick für das wei­ter be­ste­hen­de so­zi­a­le Pro­blem der Ein­sam­keit vie­ler äl­te­rer Men­schen ge­schärft. Nach ei­ni­gen Wer­b­eaktionen zur Stär­kung so­zi­a­len En­ga­ge­ments in Ber­lin in der ers­ten Hälf­te der acht­zi­ger Jah­re sei es so dann zur Grün­dung des Treff­punkts Hilfs­be­reit­schaft ge­kom­men. Fink be­ton­te, schon da­mals habe es An­sät­ze ge­ge­ben, die Be­rei­che des Eh­ren­am­tes, der Selbst­hil­fe und der Nach­bar­schafts­hil­fe zu ver­schmel­zen; trotz der völ­lig un­ter­schied­li­chen An­sät­ze und Mo­ti­va­ti­onen.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Röbke

Dr. Tho­mas Röb­ke vom Lan­des­netz­werk Bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment Bay­ern zi­tier­te ein Grund­ver­ständ­nis aus der Grün­dungs­zeit sei­nes Netz­werks: Die Haupt­amt­li­chen ma­chen den Rah­men, die Eh­ren­amt­li­chen ma­chen die Bil­der. Der Mensch sei mit Aris­to­te­les ge­spro­chen eben ein Zoon Po­li­ti­kon, ein so­zia­les und po­li­ti­sches We­sen. Er möch­te sein Le­ben als ge­stalt­bar be­grei­fen und ge­stal­ten. So sei nicht zu­letzt ja auch der So­zi­al­staat auf dem Eh­ren­amt ge­baut, wur­de und wer­de da­durch erst er­mög­licht. Das Bür­ger­schaft­li­che En­ga­ge­ment habe da­her als In­no­va­ti­ons­kraft in un­se­rer Ge­sell­schaft sei­nen Platz in der Mit­te der ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen – und nicht an ih­ren Rän­dern.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Lang

Dr. Su­san­ne Lang, Ge­schäfts­füh­ren­der Vor­stand des Cen­trums für Cor­po­ra­te Ci­ti­zenship Deutsch­land, er­in­ner­te sich an ih­ren Ein­stieg in das Feld des Bür­ger­schaft­li­chen En­ga­ge­ments 1998: Schon da­mals vor 15 Jah­ren habe sie fest­ge­stellt, dass über­all da, wo es wie beim Un­ter­neh­mens­en­ga­ge­ment um an­spruchs­vol­le The­men ging, der Treff­punkt Hilfs­be­reit­schaft be­reits da­bei ge­we­sen sei. Sie be­ton­te die Be­deu­tung der Bio­gra­fi­schen Pas­sung, sei­ner­zeit als neu­es Grund­ver­ständ­nis ge­lin­gen­den En­ga­ge­ments von Dr. Gi­se­la Ja­kob ein­ge­führt, die glei­cher­ma­ßen für Bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment wie für die Zu­sam­menarbeit zwi­schen Zi­vil­ge­sell­schaft und Un­ter­neh­men be­deut­sam sei – und im­mer auch in­di­vi­du­el­le Part­ner­schaf­ten zei­ti­ge. Und ge­nau da­für wür­den kom­pe­ten­te, authen­tische „Agen­tu­ren“ be­nö­tigt, wie sie der Treff­punkt Hilfs­be­reit­schaft als eine re­vo­lu­tio­nie­ren­de Ent­wick­lung dar­stell­te: Sie über­neh­men Platt­form­funk­ti­o­nen und sind Com­mu­ni­ty Buil­ders, ge­mein­schafts­bil­dend für eine en­ga­gier­te Bür­ger­ge­sell­schaft. Ohne Ein­rich­tun­gen wie den Treff­punkt Hilfs­be­reit­schaft sei eine en­ga­gier­te Bür­ger­ge­sell­schaft nicht zu ha­ben.

Die Run­de schloss mit der For­de­rung an die Po­li­tik, nicht zu­letzt an die zahl­reich ver­tre­te­nen Mit­glie­der des Aus­schus­ses für Bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment aus dem Ber­li­ner Par­la­ment, dass für sol­che ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen der Frei­wil­li­gen­be­we­gung im­mer wie­der Hil­fe zur Selbst­hil­fe ge­ge­ben wer­den müs­se. Nur so könn­ten Her­aus­for­de­run­gen wie der de­mo­gra­fi­sche Wan­del ge­mein­schaft­lich be­wäl­tigt wer­den.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Geschichte

Ca­ro­la Schaaf-De­richs prä­sen­tier­te dann Bil­der und Skiz­zen von der An­fangs­zeit der Hilfs­be­reit­schaft über die vie­le Ent­wick­lungs­schrit­te seit­her bis auf den Tag der voll­ende­ten ers­ten 25 Jah­re.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Freiwilligenmagazin

Wei­te­rer Hö­he­punkt war da­bei die Vor­stel­lung des von der Lan­des­frei­wil­li­gen­agen­tur Ber­lin – Treff­punkt Hilfs­be­reit­schaft ent­wi­ckel­ten, on­line gleich­sam noch druck­frisch neu­en Freiwilligen­magazins, das sich dem The­ma Di­ver­si­ty, der Viel­falt in der en­ga­gier­ten Stadt­gesellschaft ver­schrie­ben hat – und un­ter freiwilligen-magazin.info ab so­fort zu le­sen, zu hö­ren und zu se­hen ist: MENSCHENORTETHEMEN.

25 Jahre Hilfsbereitschaft: Kulimax

Mit zehn ver­schie­de­nen Köst­lich­kei­ten, her­ge­stellt und ge­reicht von den Schü­ler­in­nen und Schü­lern der Schü­ler­fir­ma KULIMAX der Schu­le am Zwi­ckau­er Damm, ging der Nach­mit­tag auch ku­li­na­risch viel­fäl­tig und bei ent­spann­ten Ge­sprä­chen in den Abend über.

Mehr le­sen: Hel­ga Metz­ner & Anke Otto zu 25 Jah­re Hilfs­be­reit­schaft | Nach 25 Jah­ren ist längst noch nicht al­les er­reicht. Gruß­wort von Staats­se­kre­tär für So­zia­les Dirk Gerst­le | 20 Jah­re Treff­punkt Hilfs­be­reit­schaft. 20 Jah­re En­ga­ge­ment­för­de­rung, En­ga­ge­ment­pro­jek­te und En­ga­ge­ment­po­li­tik in Ber­lin. Alle Fo­tos: Gre­gor Bau­mann